Die Ausstellung zum Gedenken an die Hungerblockade von Leningrad 1941-1944 „Niemand ist vergessen und nichts ist vergessen“, die vom 8.9.-7.10.2025 in der Gedenkstätte Lager Sandbostel (GLS) hätte stattfinden sollen, ist nach 2 Tagen durch die Leitung der GLS abgebrochen worden: Begründung: die Rede unseres Vorsitzenden Wolfgang Müller bei der Vernissage.

Nach dieser skandalösen Entscheidung – und nach unserer Erklärung vom 21.9. – hat uns eine Vielzahl von empörten Zuschriften erreicht, die mehrheitlich auch an die Leitung der GLS gerichtet waren. Für die dadurch ausgedrückte Solidarität mit unserer Arbeit und unseren Anliegen sind wir sehr dankbar. Stellvertretend haben wir den Offenen Brief des Bremer Verlegers, Historikers und Friedenspreisträgers Helmut Donat veröffentlicht (s. Offener Brief an Gedenkstätte Sandbostel).

Auch der Leiter der GLs hat versucht, die Entscheidung der Gedenkstätte zu erklären. Daraufhin haben wir, der Vereinsvorstand, folgende Entgegnung formuliert:

Deutsch-russische_Friedenstage_Bremen e.V.

28.9.2025

Replik auf die „Erklärung zur Absage…“ durch die Stiftung GLS

Am 24.9.25 hat der Leiter Gedenkstätte Lager Sandbostel (GLS) versucht, die Verhinderung der Ausstellung „Niemand ist vergessen – und nichts ist vergessen“ zu erläutern bzw. zu begründen – prominent und sechsseitig erfolgt auf der Website der Gedenkstätte unter https://www.stiftung-lager-sandbostel.de.
Dazu halten wir fest:

1.

Die Inhalte der zur Vernissage am 8. September aufgebauten Ausstellung werden auch in der erneuten Einlassung der Gedenkstätte durch ihren Leiter/Geschäftsführer Andreas Ehresmann als unzweifelhaft in ihren Aussagen und Darstellungen bestätigt.

2.

Trotzdem wurde die Ausstellung gecancelt! Langatmig führt Herr Ehresmann aus, warum es trotz der schriftlich bekundeten Bereitschaft des Vereins DRFT als Veranstalter zurückzutreten, zum Abbau der Präsentation gekommen sei. Angeblich allein, um sich vom Verein mit seiner abweichenden Meinung zu distanzieren und ihn als unseriös zu diskreditieren. Um es klar zu sagen: Nach der Vernissage wurde NICHT mit den Vertretern des Vereins gesprochen – trotz unseres schriftlichen Angebotes zur Bewahrung der Ausstellung in den Räumen der Gedenkstätte. Zum Beispiel wäre es problemlos möglich gewesen, die erwähnten 8 Poster ohne Insignien des Vereins im Expressverfahren über Nacht neu zu drucken (oder auf sie zu verzichten)! Es gab nur ein Ziel: Die Ausstellung hat aus den Räumen der Gedenkstätte zu verschwinden! Statt nach Lösungen und einem Dialog zu suchen, ist der Weg der Skandalisierung und Diskreditierung unseres Vereins durch Öffentlichkeitsarbeit und Presseberichte beschritten worden.

3.

Mit der Cancel-Aktion dokumentiert die Leitung der Gedenkstätte nicht nur aus unserer Sicht ein bedenkliches Kommunikations-, Demokratie- und Bildungsverständnis. Offensichtlich trauen die Verantwortlichen den Zuhörern der Eröffnungsrede von Herrn Müller nicht zu, sich eine eigene Meinung zu bilden. Bei genauer Betrachtung geht die Rede auf einige Aspekte bzw. Diskurse zur historischen Bedeutung der Leningrader Blockade ein. Vom Krieg um die Ukraine ist dort bewusst nicht die Rede. Zu diesem Thema wären sicher gesonderte Veranstaltungen zur Klärung des ganzen Bildes erforderlich. Dies hätte den Rahmen der Vernissage gesprengt und vom Blockade-Thema abgelenkt. Wir empfehlen hierzu erneut die Lektüre des Redemanuskriptes von Herrn Müller! Wie auch die Ohrenzeugen bestätigen, gab es in den minimalen Abweichungen vom Manuskript nichts, was die Behauptungen und Unterstellungen von Herrn Ehresmann belegen könnte.

4.

Wir verstehen nicht, dass Meinungsverschiedenheiten im Rahmen einer Vernissage zur abrupten Beendigung der Ausstellung benutzt, statt diskutiert zu werden. Allein der Hinweis auf das Hausrecht als Möglichkeit zur Ausgrenzung nicht geteilter Meinungen deutet darauf hin, dass die Leitung der Gedenkstätte nicht von der Wirksamkeit ihrer Argumentation überzeugt ist. Die Aussonderung, verbunden mit einem Bannstrahl, ist umso bedenklicher, da es sich überwiegend um Steuergelder von allen Bürgerinnen und Bürgern handelt, die die Arbeit der Gedenkstätte letzten Endes ermöglichen. So sollte es demokratische Grundhaltung der Gedenkstätte sein, die Meinungsbildung durch Diskussion verschiedener Quellen und Ansichten zu fördern und nicht durch eigene Vorgaben und Vorurteile zu behindern. Schiedsrichter mit Roten Karten sind überflüssig und laufen darauf hinaus, den offenen Diskurs zu bedrohen und außer Kraft zu setzen!

5.

Abschließend drei Bemerkungen:

A) Der Verein ist weiterhin bereit, die Präsentation der Ausstellung unter der Regie der GLS zu ermöglichen. Dies auch aus Respekt vor den wenigen noch lebenden Leningrader Blockade-Überlebenden. Die Gedenkstätte ist prädestiniert für dieses Thema!

B) Wir erwarten ferner, dass die falschen Behauptungen, Herr Müller hätte über den russischen Angriffskrieg gesprochen und ihn dabei gerechtfertigt – umgehend zurückgenommen werden!

C) Der Verein DRFT ist eine Friedensinitiative und verurteilt jeden Krieg, ebenso wie jede Kriegsvorbereitung, jede Aufrüstung und jedwede militärische Provokation.

Deutsche-Russische Friedenstage Bremen e. V.
Der Vorstand

gez. Horst Otto
gez. Wolfgang Müller