Am Montag, 8. September 2025, wurde die Sonderausstellung zur Blockade von Leningrad (1941-1944) unter dem Motto „Niemand ist vergessen und nichts ist vergessen“ in der Gedenkstätte Lager Sandbostel eröffnet. Veranstalter: Deutsch-Russische Friedenstage Bremen e.V. (DRFT)
Im Rahmen der Vernissage richtete Wolfgang Müller als Vorsitzender des DRFT einführende Gedanken zum Thema an die Gäste. (Redetext: hier) Eine Aussprache dazu erfolgte nicht.
Am folgenden Tag wurde der Inhalt dieser Rede vom Leitungsgremium der Gedenkstätte genutzt, um die Ausstellung ohne ein klärendes Gespräch mit dem Verein abzusagen, zu schließen. Unsere Versuche, zu ermöglichen, dass die Ausstellung auch unabhängig vom Verein und von bestehenden Meinungsverschiedenheiten gezeigt werden kann, wurden abgelehnt.
Die Argumentation für das Verbot war schlicht:
- Die Leningrad-Ausstellung sei zwar inhaltlich korrekt und widerspiegele die Geschichte nachvollziehbar.
- Die Positionen des Vereins Deutsch-Russische Friedenstage, wie sie während der Vernissage vorgetragen wurden und auf der Homepage vertreten werden, seien aber absolut nicht mit der „Haltung“ der Gedenkstätte vereinbar.
- So hätte Herr Müller den „völkerrechtswidrigen, aggressiven Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine gerechtfertigt und russische Propaganda wiedergegeben“. Um sich von den Positionen des Vereins deutlich zu distanzieren, habe man sich entschlossen, die Ausstellung zu schließen.
Was sagt der Vereinsvorstand zu diesem Eklat?
Wir sind von dieser Reaktion der Gedenkstättenleitung überrascht worden. Der Wortbeitrag von Wolfgang Müller hat u.a. Fragestellungen, Gedanken und Fakten aufgegriffen, die seit vielen Jahren im Diskurs um Leningrad eine Rolle spielen. Er war explizit als Diskussionsbeitrag zu verstehen. Stattdessen wird mit Unterstellungen gearbeitet, die sich absolut nicht in der Rede von Wolfgang Müller finden lassen.
Der aktuelle Krieg in der Ukraine wurde von ihm z.B. mit keinem Wort erwähnt.
Die Behauptung, er oder der Verein hätten gar den „völkerrechtswidrigen, aggressiven Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine“ gerechtfertigt, stellt eine böswillige Verleumdung dar. Jeder kann das im Redetext nachlesen.
Wir fordern die Gedenkstätte auf, diese Falschbehauptungen öffentlich zurückzunehmen.
Wir können nicht nachvollziehen, dass unser Angebot zur Lösung des Konfliktes – als Veranstalter zurückzutreten, damit die Ausstellung weiter gezeigt werden kann – rigoros abgelehnt wurde.
Wir bedauern diese kurzsichtige Aktion der Gedenkstättenleitung. Dies u.a. auch aus Respekt gegenüber den noch lebenden Veteranen der Blockade und den vielen Menschen, denen das Gedenken an dieses tragische Kapitel deutsch-sowjetischer Geschichte eine Herzenssache ist.
Zur aktuellen Bewertung des skandalösen Vorgehens
- Das Verbot der Ausstellung ist auch als ein Anschlag auf die Meinungs- und Gedankenfreiheit zu verstehen.
- Die Gedenkstätte ist eine öffentliche Einrichtung, die mit öffentlichen, mit Steuermitteln finanziert wird.
– Es kann doch nicht sein, dass in dieser Gedenkstätte nur ausgewählte, einseitige Meinungen geäußert werden dürfen.
– Es kann doch nicht sein, dass nur wegen eines „falschen“ Wortbeitrags eine großartige, inhaltlich unstrittige Ausstellung über ein Schlüsselereignis des zweiten Weltkriegs einfach gecancelt wird.
– Oder gibt es hier, selbst bei einer Gedenk- und Bildungsstätte so etwas wie eine (vielleicht unbewusste) Verdrängung – eine stille Anpassung an die grassierende Vorkriegsstimmung? - Und den tradierten Ansprüchen einer demokratisch gesinnten Bildungsstätte wird man in Sandbostel mit diesem Vorgehen auch nicht gerecht, indem man kurzerhand unerwünschte oder nicht passende „Haltungen“ / Meinungen aussperrt, ihnen also die rote Karte zeigt.
Im Informationsblatt über die Stiftung findet sich als Zielsetzung u.a.: „Die Gedenkstätte widmet sich der Versöhnung zwischen den Gegnern des Zweiten Weltkriegs …“. Da dies sehr gut zu unserer Zielsetzung passt, Brücken zu bauen, Hass und Vorurteile abzubauen und einander mit Respekt zu begegnen, hatten wir eine Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit gesehen. Mit der gegenwärtigen Leitung scheint das aber offensichtlich nicht möglich.
Diese Ausstellung kann und wird auch an anderen Orten gezeigt werden. Wir verleihen sie auf Anfrage.
Deutsch_Russische Friedens_Tage Bremen e. V.
Der Vorstand















