Die zahlreichen Besucher im gut gefüllten Olberssaal des Hauses der Wissenschaft verfolgten am 1. Oktober gespannt den teilweise überraschenden Ausführungen des Referenten – mit dem Ergebnis einer intensiven und sachlichen Abschlussdiskussion.

Die hegemonialen Ansprüche der USA/ Nato und geopolitische Interessenlagen werden vom Referenten durchaus als Grundlage des tief sitzenden Ost-West-Konflikts anerkannt. Aber das alleine erkläre noch nicht die aktuelle Ausprägung der omnipräsenten Russophobie. Dr. Hauke Ritz versuchte deutlich zu machen, welche unterschiedlichen kulturellen Entwicklungen und Einflussnahmen für das mittlerweile feindliche Gegeneinander (mit-) verantwortlich waren/ sind. Die gemeinsamen Wurzeln west- und osteuropäischer Kultur- und Denktraditionen sehen sich seit dem Ende des 2. Weltkriegs ständigen (liberalen, postmodernen) angelsächsischen Obstruktionsversuchen ausgesetzt – mit dem Ergebnis, dass sich in Russland andere kulturelle Standards erhalten haben als im mittlerweile ‚postmodernen’ Westen.

Die zentrale Ritzsche Fragestellung ist, ob und wie man diese Entwicklung aufhalten kann – um dann an die Entwicklung einer echten, humanistisch geprägten gesamteuropäischen Kulturtradition anknüpfen zu können…. – mit der grundlegenden gemeinsamen Zielsetzung einer gerechten und humanen Gesellschaft. 

So – in Kürze – der große Bogen der Ritz’schen Thesen, die sowohl in seinem Vortrag als auch in seinen beiden Büchern in vielfältiger Weise argumentativ unterlegt werden: „Vom Niedergang des Westens zur Neuerfindung Europas“ (2024)  und „Warum der Weltfrieden von Deutschland abhängt“ (2025).

Diese Diskussion soll Vereins-intern fortgesetzt werden.

Text: wm
Video: Sönke Hundt