_ Nürnberger Prozess gegen Hauptkriegsverbrecher 1945/46
Der Saal in der Heinrichstraße war am Montag, 16. März, gut gefüllt. Das Interesse am Thema des Abends war groß. Die Erwartungen wurden deutlich übertroffen, wie an der aufmerksamen Stille im Raum zu erkennen war. Der von Irmgard Laaf recherchierte und niedergeschriebene Text liefert eine dichte Darstellung von Teilen des Nürnberger Prozesses 1945/1946 gegen die Hauptkriegsverbrecher. Zugleich bleibt das Material nicht bei der Darstellung der Fakten aus historischen Dokumenten stehen. Immer wieder legt der Text auch die Grundlagen und Wirkungen der NS-Vergangenheit bis in die heutige Zeit dar.
Vortrag im Dialog steigert Aufmerksamkeit
Die als Dialog konzipierte Lesung wurde engagiert von Irmgard Laaf, Jens Lohse und Frank Schlütter deklamiert. Grundlage des Textes sind Inhalte der Nürnberger Prozess-Tagebücher von Boris Polewoi und Gustave M. Gilbert. Polewoi berichtet als sowjetischer Journalist, der als Frontberichterstatter der sowjetischen Roten Armee an der Befreiung Berlins beteiligt war, Gilbert als amerikanischer Psychologe, der jederzeit Zugang zu den Angeklagten hatte.
Zunächst ging es an diesem Abend um Beispiele skrupelloser, menschenverachtender Strategie und Praxis von NS-Führern, dann u. a. um die Verflechtung von NS- und US-Wirtschaft, sowie den deutschen Militarismus, später um die Rolle der deutschen Justiz vor 1933 bis nach 1945. Dabei wurden zur genaueren Betrachtung auch andere Quellen herangezogen.
Die Frage aller Fragen: Wie konnte das geschehen?
Auch Polewoi stellte sich die Frage: Wie konnte der Nationalsozialismus gerade in Deutschland, einem alten Kulturland, zur Macht kommen? Der Dialog verwies auf erschreckende Kontinuitäten in Deutschland, die bis heute wirken.
Es zeigt sich: Der Prozess, der vor rund 80 Jahren begann, ist nicht nur Geschichte! Erinnerung ist not-wendig! Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass auch Kanzler Merz am 23. Februar 2026 in einem Forum der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin Russland in die Nähe der Barbarei rückte.
Veranstaltet wurde der Abend vom Verein Deutsch_Russische Friedenstage Bremen e. V. Begrüßt wurden die Gäste mit einleitenden Worten von Horst Otto.
Bericht: Redaktion
Titelcollage: Christian Holsten
Video und Schnitt: Wolfgang Bertram
Das Video mit dem gesamten Dialog ist hier zu sehen:
















