Die Aufführung des Märchens „Die Prinzessin und der blinde Schmied“ bildete einen eindrucksvollen Auftakt der diesjährigen Deutsch-Russischen Friedenstage, die unter dem Motto „FRIEDEN DURCH KULTUR“ stehen und setzte somit gleich zu Beginn ein starkes, berührendes Zeichen.
Das Publikum erlebte eine zweistündige Vorstellung, die liebevolle, künstlerische Feinheit, musikalische Vielfalt und inhaltliche Tiefe auf besondere Weise miteinander verband.
Das Märchen stammt aus Tschechien. Annette Töpel hat sich inspirieren lassen und hat es wundervoll in eine russische Märchenwelt übertragen.
Diese Verlagerung in die Welt des Zarenreiches verlieh der Geschichte eine zusätzliche symbolische Ebene, die besonders im Kontext der Deutsch-Russischen Friedenstage spürbar wurde. Wolfang Müller beschrieb es treffend: „Das mit Abstand größte Reich der Welt wurde an diesem Abend auf die kleinstmögliche Bühne geholt.“
Die Charaktere erhielten russische Namen – etwa Zarewna Katharina, Schmied Nikolai, Fürst Wladimir, der finstere Wolkow oder die sagenhafte Baba Jaga. Die Reiter des Zaren trugen weiß-blau-rote Schärpen. Am Schloss des „guten“ Fürsten Wladimir …, der von dunklen Mächten verzaubert wurde, … wehte eine russische Fahne.
Mit großer Liebe zum Detail hat Annette Töpel ihr Papiertheater selbst gestaltet. Etwa 15 verschiedene Bühnenbilder, jedes einzelne ein kleines Kunstwerk, sorgfältig gemalt und atmosphärisch dicht, und zahllos viele, wunderschöne Figuren führten durch die Handlung. Szene für Szene entstand ein visuelles Erlebnis, das die Zuschauer immer wieder staunen ließ.
Annettes Ehemann Michael überbrückte die Momente der Umbauphasen zwischen den einzelnen Szenen mit kurzen Musikstücken auf einem Spinett. Der helle, silbrige Klang des Spinettes passte sehr gut zu dieser alten, etwa um 1800 in Deutschland und England entstandenen Bühnenkunst des Papiertheaters.
Die gemeinsamen musikalischen Beiträge des Ehepaars rahmten die Veranstaltung auf besondere Weise. Sowohl zur Eröffnung als auch nach der Pause musizierten sie zusammen und präsentierten auf einer Viola d’amore (Liebesgeige), einem populären Streichinstrument des 17. und 18. Jahrhunderts, und einem Spinett den „Sibirischen Tanz“ von Gioachino Rossini und einen „Bransle“ (französische Tanzform) von Michael Praetorius.
Inhaltlich entfaltete sich die Geschichte um die mutige Zarewna Katharina, die für ihren kranken Vater aufbricht, um Hilfe zu holen und den blinden Schmied Nikolai, der ihr beisteht. Dabei stehen zentrale Motive wie Vertrauen, Hoffnung, Freundschaft, bedachtes Handeln und die Überwindung von Dunkelheit im Mittelpunkt. Die Figur des Schmieds, der trotz seiner Blindheit den richtigen Weg erkennt, wirkte wie ein Sinnbild für eine andere Art des Sehens – eine, die gerade in der heutigen Zeit von besonderer Bedeutung ist.
Deutlich spürbar war auch die zweite Ebene der Aufführung: die leisen, aber eindringlichen Bezüge zur Gegenwart. Die angedeuteten Konflikte, die Bedrohung durch dunkle Mächte und die fragile Hoffnung auf Heilung und der Wunsch, dass am Ende alles gut ausgeht … ließen sich unschwer auf die heutigen, weltweiten politischen Spannungen übertragen.
Ohne je belehrend zu sein, eröffnete die Inszenierung einen Raum zum Nachdenken und Austausch.
Am Ende blieben beim Publikum nicht nur die Erinnerung an ein kunstvoll gestaltetes Papiertheater und eine musikalisch fein abgestimmte Darbietung, sondern auch ein Gefühl leiser Zuversicht. Die Botschaft des Abends war spürbar: Dass Verständigung möglich ist, dass Brücken gebaut werden können und dass selbst in schwierigen Zeiten die Hoffnung auf ein gutes Ende – auf Frieden – nicht verloren gehen darf.
Und es wurde deutlich: FRIEDEN DURCH KULTUR braucht manchmal keine große Bühne …
Bericht: Beatrice Schunke
Abbildungen: Beatrice Schunke
















