Am 22. Juni jährte sich der Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion zum 85. Mal. Aus diesem Anlass veranstaltete der Bremer Verein Deutsch-Russische Friedenstage eine Gedenk- und Erinnerungsveranstaltung der besonderen Art. Mit Kai Köhler konnte ein Kulturwissenschaftler gewonnen werden, der mit Musikbeispielen und fundierten Einordnungen verdeutlichte, welche wichtige Bedeutung die Musik für die sowjetischen Menschen in ihrem Überlebenswillen hatte. Und welche Emotionen sie förderte. Der Titel seines Vortrages: „Triumph der Menschlichkeit: Sowjetische Musik im 2. Weltkrieg“.
Kai Köhler erwähnt, dass auch im belagerten Leningrad trotz Eiseskälte der Spielbetrieb mit Konzerten und Musicals aufrecht erhalten wurde. Überliefert ist ebenfalls, dass dort auch Werke der deutschen Komponisten Bach, Beethoven und Schumann zu Gehör gebracht wurden.
Die berühmte Aufführung von Schostakowitschs Leningrader Sinfonie wurde unter schwierigsten Umständen im belagerten Leningrad zustande gebracht.
Mit dem Taktstock gegen Krieg
Seit dem deutschen Überfall am 22. Juni 1941 beteiligten sich auch die sowjetischen Komponisten an der Verteidigung. Der Referent zeigt den Wandel der Musik an ausgewählten Beispielen auf. Neben Märschen, Liedern und Filmmusik entstanden auch Werke für den Konzertsaal. Der Vortrag stellte unter anderem Kompositionen von Dmitri Schostakowitsch (8. Sinfonie und das 2. Klaviertrio), Nikolai Miaskowski (22. Sinfonie) und Sergej Prokofjew („Ballade von einem Jungen, der unbekannt blieb“) vor. In etwa 70 Minuten gibt der ungekürzte Mitschnitt einen guten Einblick in die formale und emotionale Vielfalt des damals Geschaffenen.
Begrüßt wurden die Gäste durch Horst Otto. Dem Redner war es wichtig, die große Bedeutung des 22. Juni 1941, als Tag des Überfalls auf die Sowjetunion zu betonen. Etwa 27 Millionen sowjetische Menschen haben diesen vorsätzlichen Vernichtungskrieg mit ihrem Leben bezahlt, bevor Nazi-Deutschland am 8. Mai 1945 in Berlin-Karlshorst unter den Augen des sowjetischen Marschalls Shukow und den weiteren Teilnehmern der Anti-Hitler-Koalition kapitulierte. Daran immer wieder zu erinnern, sei eine ewige Aufgabe für Menschen, die sich für Frieden einsetzen.
Zur Erinnerung historische Worte von Kanzlerin Merkel
Noch zum 22. Juni 2021 ließ die damalige Bundeskanzlerin Merkel die Öffentlichkeit wissen:
„Für uns Deutsche ist dieser Tag, der 22. Juni, ein Grund zur Scham, wegen der Schrecken, die die Menschen in den angegriffenen Gebieten durch den Willen der Deutschen erleiden mussten. Wir alle wissen, was die furchtbaren Folgen des Krieges waren: Zerstörung und Vertreibung. Über 20 Millionen Männer, Frauen und Kinder, die Zahlen variieren, vor allem aus Russland, der Ukraine und Weißrussland, aber auch aus den baltischen Staaten und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken. Wir sind zutiefst dankbar, dass so viele Überlebende uns als Zeichen der Versöhnung die Hand gereicht haben.“
Auch diese Bereitschaft zur Versöhnung ist sicher ein Triumph der Menschlichkeit der Völker der Sowjetunion!
Abschließend fragt Horst Otto: Was ist im Deutschland der Regierungen Scholz und Merz von den Einsichten der Altkanzlerin Merkel geblieben? Diplomaten Russlands werden durch deutsche Offizielle am würdigen Gedenken der in deutscher Erde begrabenen Sowjetbürger gehindert.
Ausstellung im Foyer
Großes Interesse fand eine kleine Ausstellung, die zu Hintergründen und Zielen des „Plan Barbarossa“, also dem Eroberungs- und Genocidplan gegen die Sowjetunion gewidmet ist.
Abbildung: Archiv des Vereins
Text: Redaktion
Video: Jens Nienburg

















