Putzaktion auf dem Friedhof Osterholz

Mit einer gemeinsamen Reinigungsaktion von Grabplatten auf dem Osterholzer Friedhof hat der Verein Deutsch-Russische Friedenstage Bremen e. V. am 30.09.2026 die Neunten Deutsch-Russischen Friedenstage eröffnet. Bis Ende November folgen weitere Veranstaltungen zu Erinnerung, Völkerverständigung und Frieden.

300 Grabplatten gereinigt

Unter dem Motto „Kein Gras drüber wachsen lassen“ kamen rund 40 Menschen zusammen, um etwa 300 Grabplatten zu reinigen. Auf dem Gräberfeld ruhen mehr als 2.000 Menschen, darunter vor allem Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion und anderen Ländern, die während des Zweiten Weltkriegs in Bremen ums Leben kamen.

Moos und Flechten hatten viele Grabplatten stark verschmutzt, so dass zahlreiche Namen kaum noch lesbar waren. Mit Bürsten (auch Zahnbürsten), Schrubbern, Eimern und viel Wasser machten die Helferinnen und Helfer die Inschriften wieder sichtbar.

In seiner Ansprache betonte Horst Otto, dass es bei der Aktion um mehr als die Reinigung von Grabplatten gehe. Die Toten sollten durch praktisches Handeln gewürdigt und ihre Schicksale in Erinnerung gehalten werden. Gerade angesichts aktueller Debatten über Aufrüstung und Kriegsvorbereitung wolle der Verein ein klares Zeichen setzen: „Wir wollen keine neuen Kriegsgräber. Wir wollen Frieden.“

Neuer Vorstand beim ersten Einsatz aktiv

Die Aktion war zugleich der erste öffentliche Einsatz des neu gewählten Vorstands. Bei der Mitgliederversammlung am 26.09.2026 wurden Horst Otto und Wolfgang Müller wiedergewählt. Neu in den Vorstand gewählt wurde Christine Pietsch.

Alle drei waren heute selbst aktiv und standen mit Schrubber, Bürste, Wassereimer und Handschuhen auf dem Friedhof. Der neue Vorstand war damit gleich zu Beginn „aktiv gegen das Vergessen“.

Besuch aus der russischen Botschaft

Besonders gefreut hat sich der Verein über den Besuch und tatkräftige Unterstützung von Julia Gordeeva und einem Kollegen aus dem Bereich Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit der russischen Botschaft.

Die Gäste zeigten sich beeindruckt von der großen Beteiligung und berichteten über ihre Arbeit in Deutschland. Nach ihren Angaben gibt es in der Bundesrepublik etwa 4.000 Kriegsgräberstätten, die mit sowjetischen beziehungsweise russischen Kriegstoten verbunden sind.
Die Zusammenarbeit mit deutschen Städten und Gemeinden funktioniere weiterhin gut. Größere Schwierigkeiten bei der Pflege und Betreuung der Kriegsgräber gebe es derzeit nicht.

Diese Einschätzung war für den Verein besonders wichtig, da angesichts der aktuellen politischen Spannungen Veränderungen im Umgang mit den Gräbern befürchtet werden.

Der persönliche Austausch machte deutlich: Erinnerung und Gedenken dürfen nicht an politischen Grenzen enden.

Freundeskreis „Dobro“ engagiert sich im Norden

Auch das Hamburger Ehepaar Schwarz vom Freundeskreis „Dobro“ war zu Gast. „Dobro“ bedeutet auf Russisch „gut“ – ein Name, der gut zur Arbeit der Gruppe passt.

Seit rund fünf Jahren kümmert sich der Freundeskreis um sowjetische Kriegsgräber und Gedenkstätten in Norddeutschland. Das Gebiet reicht von Flensburg und Kiel über Hamburg bis nach Schwerin. Neben größeren Gräberfeldern pflegen die etwa 20 Freunde auch kleinere Gedenkorte, die sonst leicht in Vergessenheit geraten könnten.

„Gut – ist immer gut!“, sagte Herr Schwarz so passend.

Musik, Piroggen und gute Gespräche

Neben der gemeinsamen Arbeit blieb Zeit für Begegnung und Austausch. Für die musikalische Begleitung sorgten Vladimiros Papadopoulos mit seiner Gitarre und eine Sängerin des Chores Rodina. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt. Ludmila Schmidt hatte Piroggen und weitere russische Köstlichkeiten vorbereitet.

So wurde aus dem Arbeitseinsatz ein gemeinsamer Vormittag mit Musik, Gesprächen und einem lebendigen Austausch über die Bedeutung von Erinnerung und Frieden.

Helferin aus Osterholz setzt Zeichen

Eine Helferin aus dem Stadtteil Osterholz war aufgrund der Ankündigung in der Zeitung Weser Report zur Aktion gekommen. Auf die Frage, warum sie teilnehme, antwortete sie, dass es ihr wichtig sei, die Gräber zu pflegen und die dort bestatteten Menschen zu würdigen. Für sie spiele es keine Rolle, aus welchem Land die Toten stammten. Sie seien Menschen, die ihr Leben verloren hätten, und ihre Gräber verdienten Respekt.

Dieser Gedanke entspricht auch der Überzeugung des Vereins: Bei der Würde der Toten darf es keine Unterschiede geben.

Gute Zusammenarbeit mit dem Friedhof

Die Vorbereitung und Absprachen mit den Verantwortlichen des Osterholzer Friedhofes verliefen sehr gut. Das Gras um die Grabplatten war gemäht, der Wasseranschluss stand zur Verfügung und die notwendigen Voraussetzungen für einen konzentrierten Arbeitseinsatz waren geschaffen.

Dafür sagt der Verein herzlich Danke. Der Dank gilt ebenso allen rund 40 Helferinnen und Helfern, Julia Gordeeva und ihrem Kollegen von der russischen Botschaft, dem Ehepaar Schwarz vom Freundeskreis „Dobro“, Vladimiros Papadopoulos und der Sängerin des Chores Rodina Tatjana für die musikalische Begleitung sowie Ludmila Schmidt für die liebevoll vorbereiteten Speisen.

Erinnerung gemeinsam bewahren

Die gereinigten Grabplatten sind mehr als das Ergebnis eines Arbeitseinsatzes. Sie sind ein sichtbares Zeichen dafür, dass Erinnerung, Würde und Frieden gemeinsame Verantwortung sind!

„Kein Gras drüber wachsen lassen“ – nicht über die Gräber, nicht über die Namen und nicht über die Erinnerung daran, wohin Krieg führt.

Der Deutsch-Russische Friedenstage Bremen e. V. lädt alle Interessierten ein, die weiteren Veranstaltungen der Russischen Friedenstage zu besuchen und gemeinsam ein Zeichen für Frieden und Völkerverständigung zu setzen.

Text: Beatrice Schunke
Abbildungen: Beatrice Schunke